www.mamboteam.com
bibliothekar.de  
Home arrow bibliothekarisches arrow Bibliothek und Buch arrow Ausredenhilfe
Donnerstag, 18 März 2010
 
 
Ausredenhilfe Drucken E-Mail
Geschrieben von Cornelia Freiwald und Petra Ott   
Allen KollegInnen, die an Ausleihschaltern oder Serviceplätzen arbeiten, sind natürlich die vielfältigen Ausreden bekannt, mit den sich die Benutzer/Kunden um die Bezahlung von Säumnis- und anderen Gebühren drücken wollen. Um das Verfahren zu beschleunigen und so Zeit und Nerven zu sparen, haben sich die Kolleginnen Cornelia Freiwald und Petra Ott aus der UB Bielefeld einen nützlichen Fragebogen ausgedacht, auf dem einfach nur die entsprechend Gründe für die Ablehnung der Zahlung anzukreuzen sind...

... letzten Dienstag in der Zentralen Leihstelle

Auch wenn aus unserem liebgewonnenen "Benutzer" nun mit aller Macht ein Kunde werden soll, hängt dieser nach wie vor mit aller Hartnäckigkeit am schnöden Mammon und seine Einstellung und Zahlungsmoral hat sich bedauerlicherweise nicht gewandelt.
So paart sich gerechter und ungerechtfertigter Protest mit bockiger Zahlungsunwilligkeit auch weiterhin offen vor unserem Terminal, und wenn wir auch liebend gern als Sündenbock, Lebensplanungsbüro und Raubtierbändiger fungieren, haben wir beschlossen, uns fürderhin ein wenig aus der Schussbahn zu begeben.
Um uns das Leben und die notwendige Gebühreneinnahme zu erleichtern, werden wir uns zukünftig unfruchtbare Diskussionen ersparen und den gebührenschwangeren BENUTZER allein mit seinem Beschwerdeblatt zurücklassen.
Beim Entwurf dieses Formulars haben wir uns bemüht, jeder nur erdenklichen Beschwerde, Begründung und Ausrede gerecht zu werden, die jemals auf unsere tauben, mitleidslosen Behördenohren stieß. Das erspart uns Zeit und Nervenkraft und zudem lässt sich am Jahresende eine wundervolle Statistik erstellen.
Den so gewonnenen Freiraum werden wir so nutzen wie man es seit jeher von uns erwartet: Wir frühstücken, plaudern, feilen uns die Fingernägel und tratschen über Kollegen.


FORMULAR

 Ich will nicht/möchte nicht/sehe mich außer Stande/
 Die angefallenen Gebühren zu begleichen ...

Unkenntnis

O
Ich war mir über die Konsequenzen meines Handels nicht im Klaren
O
Man hat mich über diesen Sachverhalt nicht - oder unzureichend -in Kenntnis gesetzt
O
Ich dachte, man müsse die Gebühren erst nach Ablauf eines Jahres zahlen

Unfähigkeit

O
Meine Sekretärin ist zur Zeit im Urlaub und/oder schwanger, und ich bin gerade fähig mir meinen Kaffee selbst zu kochen
O

Ich betreue ein lebenswichtiges und epochales Projekt, das

  • O die Welt erretten wird
  • O nobelpreisverdächtig ist
  • O mir zu großem Ruhm und Reichtum verhilft

 

 

und niemand kann von mir verlangen, dass ich mich um solche Banalitäten kümmere

O
Mein Telefon war defekt/Ich habe gar kein Telefon
O
Ich komme vom Oberstufenkolleg

Unabkömmlichkeit

O
Ich war im Urlaub
O
Ich war im Urlaub, meine ganze Familie war im Urlaub und ich ging davon aus, Sie wären ebenfalls verreist und habe daher von einer Buchverlängerung Abstand genommen
O
Meine Oma hatte Geburtstag
O
Mein Hund hatte Namenstag
O
Es gab im Aldi ein Supersonderangebot und ich musste Tag und Nacht in der Warteschlange meinen Platz verteidigen

Unpässlichkeit

O
Ich litt an einer kurzfristigen Amnesie (Attest anbei)
O
Ich leide an einer langfristigen Amnesie (das Attest habe ich aus eben diesem Grunde vergessen)
O

Ich bin total betroffen, aufgrund

  • O des Hochwassers
  • O des Krieges
  • O der Vernichtung der Regenwälder
  • O von Pest und/oder Cholera

 

 

 

und sehe mich außerstande mich mit profanen Dingen zu beschäftigen

O
Meine Mutter war krank und konnte mich daher nicht daran erinnern, meine Bücher rechtzeitig zu verlängern

Unwilligkeit

O
Ich lehne aus politischen Gründen alle anfallenden Zahlungen ab
O
Ich weigere mich vehement zu akzeptieren, dass ich verabsäumt haben könnte, meine Bücher rechtzeitig zu verlängern
O
Ihre Zahlungsaufforderung betrachte ich als persönliche Beleidigung; wieder einmal offenbart sich die Inkompetenz ihres Personals.
O

Es handelt sich hierbei um

  • O ein Komplott
  • O eine Verschwörung der Behörde gegen das Individuum
  • O eine extraterrestrische Bedrohung
O
Ich bin nicht länger bereit, diese Form der Behördenwillkür in diesem "Scheißstaat" hinzunehmen

Unbegreifliches

O
Ich komme doch jeden Tag in die Bibliothek, alle kennen mich, da hätte man mich doch beizeiten daran erinnern können, dass ich meine Bücher abgeben muss
O
Der Hund hat meinen Ausweis gefressen und/oder das Telefonkabel zerbissen; meine Freundin hat vergessen mich zu wecken, dann ist meine Straßenbahn 5 Minuten zu früh abgefahren und ich habe auf dem Weg zur Uni eine verletzte Taube gefunden, die ich erst noch zum Tierarzt bringen musste ................
O
Sonstiges ................................................................

Bitte Name, Ausweisnummer und Gebührensumme eintragen und Zutreffendes ankreuzen; bitte jeweils nur ein Kreuz

... und nein, es gibt weder einen Telefon-Joker noch dürfen Sie das Publikum befragen

Vielen Dank für Ihre Mitarbeit


Der Text wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von den beiden Autorinnen Cornelia Freiwald und Petra Ott aus der UB Bielefeld. Schönen Dank!!'
 
< zurück   weiter >
 
Top! Top!