| Der Bibliothekar - eine Berufsbeschreibung |
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| Geschrieben von Edlef Stabenau | |
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Eigenarten der Arbeit:
Der B. ist zugleich (Verwaltungs-) Beamter und Glied des Gelehrtenstandes. Bei hohen körperlichen und geistigen Anforderungen fehlt seinem Beruf äußerer Glanz und Ruhm, denn seine anhaltende, stille, oft entsagungsvolle Kleinarbeit bleibt dem großen Publikum verborgen. Dafür ist die Beschäftigung wechselnd, anregend, vielseitig: Berufsgefahren:Ständiger Aufenthalt in der schlechten Luft der Büro- und Arbeitsräume, Kälte in den (ungeheizten!) Magazinen und Bücherstaub stellen gewisse Anforderungen an die Gesundheit. Körperliche und seelische Anforderungen: ErforderlichSehschärfe auf einem Auge mindestens 2/3, auf dem anderen 1/3 (genaue Untersuchung der Herkunft von Drucken und Handschriften). Körperliche Gesundheit im allgemeinen und besonders im Gebrauch der Hände und Füße (B. nicht geeignet für körperlich Kränkliche!..). Verständnis für Buchwesen, Liebe zum Buch, Lesetrieb, doch verbunden mit Selbstbeherrschung in dem Streben, sich über Gebühr an das Lesen der Bücher zu verlieren. Diszipliniertes Gedächtnis: Bereitschaft eines ausgebreiteten Sachwissens mit entsprechender Literaturkenntnis, Raumgedächtnis für den Standort von Büchern; bei der Arbeit an der Kartothek usw. die Fähigkeit, Buchtitel, Autornamen u. dgl. sicher zu behalten trotz mannigfaltiger Störung und Ablenkung (zu diesem B. "gehört das Gestörtwerden"). Besonders fördernd:Fähigkeit, schlechte Schriften zu lesen. Hervorragendes Gedächtnis. Sammeltrieb. Zuvorkommendes Wesen und Gewandtheit im Umgang mit jedermann. Menschenkenntnis. Wirtschaftlicher Sinn (Verkehr mit Buchhändlern, Erwerbungen über den Etat, Arbeitsökonomie). Praktischer Blick, Organisationstalent. Kombinationsgabe (um den Sinne unklarer Bestellerwünsche, unklar und unvollständig ausgefüllter Leihzettel zu erfassen). Vertrautheit mit dem Stande einiger Wissenschaften, Ueberblick über viele. Ausschließend und hinderndAusschließend: Blindheit. Vollständige körperliche Lähmung. Lungenkrankheit. Große Empfindlichkeit gegen Staubluft, gegen Temperaturwechsel (..). Schwaches Gedächtnis. Mangelndes wissenschaftliches Interesse, aber auch rein theoretisch-wissenschaftliche Veranlagung (denn verwaltungstechnische Aufgaben sind eine sehr wichtige Aufgabe des B.) Hochgradige Nervosität. Flüchtigkeit. Menschenscheu. Für den Verkehr mit den Benutzern (sonst nicht!): Schwerhörigkeit, stärkere Sprachfehler. Hindernd: Vorsicht ist geboten bei Epileptikern, Hirnverletzten, zu Höhenschwindel neigenden Personen, da Umhersteigen auf Leitern und Galerien oft kaum vermeidbar. Hinderlich starker Ehrgeiz (da die Berufsarbeit ihm keine Entwicklungsmöglichkeit bietet). Abzuraten ist Hypochondern, die gern in medizinischen Werken herumstöbern. Niemals sollte der B. Anhänger extremer oder revolutionärer Parteien sein. Nicht ausschließend:Korrigierbare Kurzsichtigkeit. Einäugigkeit, wenn das erhaltene Auge leistungsfähig ist. Einarmigkeit. Geringe Lahmheit. Leiden, die das Hantieren mit Kästen und Büchern jeden Formats nicht beeinträchtigen. Hochgradige Schwerhörigkeit oder Taubheit bei gutem Sehvermögen, jedoch nur bei Innendienst. B. geeignet für Neuro- und Psychopathen (bzw. mit Defekt geheilte Psychotische); vorteilhaft wirken die allgemein friedlich-beschaulichen Arbeitsbedingungen.
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